Come Closer - verantwortliches Design im Fokus
Veranstaltungsort:
Museum für Angewandte Kunst Frankfurt
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt am Main

Beginn jeweils um 19:30 Uhr



18. März
Brain Design – Design trifft Mind- und Hirnforschung

22. April
Plastic Planet - Dokumentarfilm

20. Mai
urbane Mobilitätskonzepte und Designlösungen

17. Juni
Reflecting Water – Design und Ökologie

SOMMERPAUSE

2. September
Green Markets – die Zukunft der Ökonomie

28. Oktober
Guerillamarketing – Aktivisten gestalten öffentlichen Raum

25. November
Thinking Design – Design trifft Philosophie

//////////////02.04.09: Dipl.-Des. Bernhard Pompeÿ

„Kommunikation als Konfliktlösung? Die Macht der Bilder im Nah-Ost Konflikt“


Dipl.-Des. Bernhard Pompeÿ

so der Titel des Erfahrungsberichts von Diplom-Designer Bernhard Pompeÿ. Zum dritten Mal trafen sich im MAK Designer und andere Kreative aus dem Rhein-Main-Gebiet im Forum „come closer – verantwortliches Design im Fokus“ und thematisierten die Möglichkeiten der Völkerverständigung durch „Kommunikation als Konfliktlösung“

In der Perspektive auf die gesellschaftliche Tragweite von Kommunikationsdesign erörterte Bernhard Pompeÿ in seinem Vortrag die konfliktreichen israelischen und palästinensischnen Darstellungs- und Kommunikationsformen und sensibilisierte das Publikum für ein kulturell geprägtes und politisch motiviertes Design. Bernhard Pompeÿ, der den Nahen Osten während der vergangenen drei Jahre bereiste, hat seine wissenschaftliche Arbeit mit der Analyse von Bildern, Zeichen, Schriften und Bekleidung in seinem Buch zusammengefasst.

Dipl.-Des. Bernhard Pompey und Dipl.-Des. Cornelia Dollacker
Dipl.-Des. Bernhard Pompey und Dipl.-Des. Cornelia Dollacker

Aber welches Kommunikationspotential verläuft zwischen Israelis und Palästinensern und vor allem durch welches Medium? Schon kleine Details wie die Symbolik von Farben polarisieren die Bevölkerung. In Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten stecken hinter jeder Äußerung im öffentlichen Raum politische oder religiöse Botschaften, die für uns kaum zu decodieren sind.

Im Schmelztiegel Jerusalem zeigt sich der tiefe Konflikt. Die Verständigung ist schwierig – die hebräische und arabische Sprache haben nichts gemeinsam. In der Werbung unterscheiden sich auch die Bildwelten zwischen dem westlich orientierten Israel und dem kalligraphisch geprägten Orient völlig. Die tägliche Kommunikation diene der offensichtlichen Ablehnung und nicht der Verständigung. Die Demonstration von Zugehörigkeit und Macht wird an übersprühten oder zerstörten Straßenschildern der jeweils anderen Sprache deutlich. Die U-Bahnpläne in ausschließlich hebräischer Sprache grenzen zwangsläufig andere Bevölkerungsgruppen aus. Besonders Stencil und Grafitti erhitzen die Debatte auf bildlicher Ebene weiter. Selbstmord-Attentäter werden mit Schablonen an die Hauswände gesprüht, um ihre Verehrung zu verdeutlichen.

Einzelne wenige Beispiele beweisen, dass es erste Ansätze gibt, in dem Designer mit ihrer Arbeit versuchen Konflikte zu entschärfen. Das arabische Rote Kreuz war durch das Symbol des rotweißen Halbmondes gekennzeichnet. In diese Notarztwagen weigerten sich die Israelis zu steigen, umgekehrt wollte mancher Palästinenser eher sterben, bevor er sich von einem Sanitätsfahrzeug mit Davidstern ins Krankenhaus bringen ließe. Hier haben Designer das neue Symbol des „Roten Kristalls“ entworfen um diesen Konflikt zu entschärfen. Das neutrale Symbol habe sich bisher allerdings noch nicht durchgesetzt, referierte Berndhard Pompeÿ.

Fazit

„Kommunikationsdesign könnte vermitteln“ ist das Fazit aus der come closer-Diskussionsrunde und kann Identität stiften und das Konfliktpotential minimieren. Besonders interessant dabei ist der interdisziplinäre Ansatz, den Bernhard Pompeÿ bekräftigt und der in allen Designprozessen immer eine wichtige Rolle spielt. Im Nahen Osten könnten die Kommunikationsbemühungen mehr Erfolg haben, wenn Politiker, Soziologen, Kulturwissenschaftler und Theologen die Grundlagen dazu schaffen und Designer in den Vermittlungsprozess mit einbeziehen würden. Es liegt auf der Hand, dass sich solch tiefsitzenden Konflikte nur durch Kommunikation auf allen Ebenen löst.

Jenseits der gewohnten medialen Berichterstattung hat es uns viele neue Einsichten in das Thema Konfliktlösung im Nahen Osten in Betrachtung auf Kommunikationsgestaltung gebracht. Weitere Informationen unter: www.bernhardpompey.de - Mailkontakt

Cornelia Dollacker

come closer, nachhaltiges Design

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